„The Impossible Band“ – 6 Freiwillige, 1 Kru Kim

by Lou Tobian

18:00 Uhr, irgendwo auf der Hauptstraße von Kapong. Die Menschen (größtenteils Einheimische) schlendern gemütlich an der Bühne vorbei, nichtsahnend. Meine Aufregung und die der anderen Bandmitglieder steigt allmählich. Wir wissen, dass es bald losgehen wird, nur nicht genau wann. Ich hole mir noch eine kleine Box fried chicken und ein Wasser (warm, sonst versagt die Stimme nach kürzester Zeit). So kann ich meine Nervosität etwas senken. Als ich mich wieder auf meinen Platz neben der Bühne setze, gibt uns Kru Kim (unser Bandleader) ein Handzeichen. Die Schulband beginnt ihren letzten Song zu spielen.

Es ist soweit. Kru Chong moderiert die „Impossible Band“ an, ein Bandname der mittlerweile nicht mehr ganz zu uns passt. Wir schreiten gemeinsam auf die Dorfbühne. Die Instrumente werden noch ein letztes Mal gestimmt und die Noten und Liedtexte vorbereitet. Ich begrüße unser Publikum, einmal in Englisch und danach in Thai. Diesen Samstag kann ich sogar ziemlich viele Europäer in der Menge erkennen.

Und dann spielen wir. Als ‚Aufwärmübung‘ für uns alle gibt es das Lied „Photograph“ von Ed Sheeran. Danach spielen wir unseren liebgewonnen „Stalkersong“ („Every Breath you take“). Der ist für mich vom Gesang her der anspruchsvollste. Aber diesmal lief alles perfekt, ohne Stimmpatzer oder Instrumentalaussetzer. Eher weniger zu tun für die anderen und mich gibt es bei „Bailando“. Der Song ist vollständig auf Spanisch, ich selbst singe nur ein paar Echos von Kru Kim (Bailandoooo!). Der schönste Song, bei dem ich fast komplett alleine die Strophen singe, ist „Somewhere only we know“. Bei diesem Song kann ich dann noch einmal so richtig gefühlvoll singen. Großer Applaus am Ende von den Zuschauern und ein letztes Kôb Khun Krap.

Und die Show ist zuende. Beim Verlassen der Bühne fühle ich mich erleichtert. Es ist ein tolles Gefühl, was ich nur schwer beschreiben kann. Nach dem Adrenalinrausch auf der Bühne fühlt man sich so, als ob man immer noch auf der Bühne steht. Und wie jeden Samstag (bisher waren es zwei) freue ich mich auf den nächsten Auftritt.

Aber Moment Mal… Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass ich mit meinen Mitfreiwilligen auf einer Bühne stehe und Musik mache? Die Antwort lautet: Kru Kim der Musiklehrer. Er hat schon lange darüber nachgedacht, aus den Freiwilligen eine Band zu gründen. Da gab es nur ein Problem. Nur er (E-Gitarre), Lucie (Gitarre) und Nik (Klavier) konnten ein Instrument zu spielen. Und so hat er kurzerhand beschlossen, den anderen je ein Instrument spielen zu lehren. Für Anna die Gitarre, Marie den Bass und Lina das Schlagzeug. Ich finde das einfach nur großartig! Ach ja. Und mir hat er das Singen nähergebracht. Unter anderen hat er mir gezeigt, dass ich mich trauen kann laut zu singen (weil es meine Stimme hergibt) und wie man mit Mikrofon singt.

Und schon ist unsere Band komplett. Jan (damals noch am Keyboard) gab uns den Namen „Impossible Band“, weil er es sich absolut nicht vorstellen konnte, dass er und die anderen gut spielen werden. Es ist schon schwer zu glauben, dass einige erst seit fünf Monaten ein Instrument spielen und wir heute schon so gut und flüssig spielen können. Klar, vor den Auftritten gibt es immer noch viele kleine Patzer bei den Proben, aber das ist auch bei „richtig großen“ Bands so.

Am Ende bleibt mir noch eine Sache zu sagen. Ein großes Danke an Kim, der sich häufig spätabends mit uns noch im Musikraum hingesetzt hat, um mit uns zu üben. Auch, dass er den Glauben und die Lust an unserem „Freizeitprojekt“ nicht verloren hat. Neulich sprach er sogar davon, mit uns nach Phuket ins Studio zu fahren und unsere Songs dort einzuspielen. Aktuell planen wir einen eigenen Song zu schreiben, die Melodie dafür hat er schon komponiert. Ich hätte mir nie träumen lassen, meinen Freiwilligendienst so zu verbringen und bin sehr froh euch allen begegnet zu sein.

Thank you all! Thank you Kim!🤗

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